Freier Wille, Zufall und das Universum | Gedankenwald
2008
14
Apr

Freier Wille, Zufall und das Universum

geschrieben am 14.04.2008 in Gedankenwald, kurioses von Ganayan · 7 Kommentare

Wenn mir langweilig ist, habe ich seltsame Gedanken. Aber genau diese sind es meistens, die mich neugierig machen, was andere davon halten. Mich beschäftigt unter anderem eine Frage seit einer ganzen Weile, und zwar:

Würden wir alle Koordinaten und alle Impulse jedes noch so winzigen Teilchens des Universums zu einem bestimmten Zeitpunkt kennen – könnten wir damit die Zukunft voraussagen?

Die Frage klingt blöd – aber angenommen, wir würden sagen, dass auch unsere Gedanken nur als eine Ansammlung von Teilchen, die neuronale Netze bilden, gesehen werden können die wir zu interpretieren wüssten…. dann wüssten also nicht nur die Position und die Geschwindigkeit jeglicher unbelebten Materie, sondern hätten auch Wissen über die Gedanken und Prämissen sämtlicher Lebensformen – könnten wir voraussagen, was sie tun würden?

Das nähme uns ja den freien Willen, nicht wahr? Dann wäre alles vorherbestimmt, alles wäre quasi Schicksal. Ein grausamer Gedanke.

Aber eines impliziert dieser Gedanke: Nämlich, dass kein echter Zufall existiert. Und dessen bin ich mir nicht so sicher. Einen Würfel- oder Münzwurf kann man in meinem Szenario natürlich genauso leicht berechnen wie das Ergebnis eines ordinären Zufallsgenerators – aber was ist mit wirklichen Zufällen, wie sie in der Natur vorkommen?

Ein Gedankenexperiment aus der Physikvorlesung kommt mir in den Sinn: Ein verstellbarer Laser, der gegen ein Gitter strahlt und damit interferiert. Dahinter bildet sich ein lustiges Strichmuster an der Wand. Nun hat Licht natürlich nicht nur Wellen- sondern auch Teilchencharakter. Stellen wir die Intensität des Lasers nun so weit herunter, dass wir einzelne Photonen beobachten können. Sie treffen auf den Doppelspalt und – ja – sie interferieren auch! Und es ist echter Zufall, welchen Weg sie nehmen, nicht wahr?

Wenn so etwas geht, funktioniert meine Theorie nicht. Dann gibt es kein Schicksal, und mein Weltbild ist gerettet :) Das hat mich wieder glücklich gestimmt.

Nun hörte ich aber von ein paar Leuten, die der Ansicht sind, dass immer, wenn so etwas auftritt – also wenn wir es mit echtem Zufall zu tun bekommen – sich das gesamte Universum teilt – und dass wir in einem Paralleluniversum leben, in dem genau dieser eine Ausgang des Experimentes Realität ist. Mit einem Schlag entstehen so viele Universen, wie das Experiment Ausgänge haben könnte. Freakig, so eine Idee.

So … ja, verzeiht mir bitte, ich musste diese verworrenen Gedanken mal irgendwo ins Netz schreiben damit sie aus meinem Kopf raus sind.

Ich trinke jetzt eine große Tasse grünen Tee und mache mir darüber Gedanken, ob wir in dem Moment, an dem wir wissen, dass all unser Sein vorhersagbar ist, eine Rückkopplung bauen die es wieder unvorhersehbar macht.


geschrieben am 14.04.2008 um 12:35 in Gedankenwald, kurioses von Ganayan · RSS 2.0-Feed der Kommentare.
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7 Kommentare zu “Freier Wille, Zufall und das Universum”

  1. Kay

    Kay sagt:


    14. Apr 2008 um 12:46 Uhr

    Kein Zufall. Was wir als Zufall verstehen ist nur, wenn wir nicht alle Parameter kennen, verstehen oder auswerten wollen und daher das Ergebnis nicht voraussagen können. Wenn wir alle Teilcehn und Impulse kennen dann müssten wir meiner Meinung nach genau die Zukunft vorhersehen können. Und dein Laserbeispiel ist meiner Meinung nach keine Ausnahme, wie mir auch sonst aus der Natur nix einfallen würde, was wirklich Zufall ist. Zufall hieße ja, dass wenn haar genau die gleichen Gegebenheiten wieder eintreten würden (mit allen beteiligten Teilchen, etc) dass dan trotzdem etwas anderes passieren könnte, oder? Das geht aber glaub ich nicht. Und würde man die gleichen Photonen wieder auf das gleiche Gewitter zur gleichen Zeit strahlen, dann würden die sich ganz genauso verhalten. Kein Zufall. Tut mir Leid, aber dein freier Wille ist genauso Teil davon, denn der basiert eben auf deinen Erlebnissen und physischen Beschaffenheiten. Und du wirst in genau der gleichen Situation, mit genau der gleichen Vergangenheit, mit den gleichen Eindrücken immer genau das gleiche Denken. Freier Wille ist damit auch nur eine Illusion wie der Zufall, der daher kommt, dass keiner all die Parameter erfassen und berechnen kann, weil es eben einfach mal viel zu Viele sind.

  2. Ganayan

    Ganayan sagt:


    14. Apr 2008 um 12:58 Uhr

    Danke :)

    Damit bestätigst du, was ich anfangs auch dachte aber … naja, seit ich von den Verfechtern dieser mehrere-Universen-Theorie und dem Zufall gehört habe … mmm … war ich mir da nicht mehr so sicher.

    Die Wikipedia bringt übrigens im Artikel “Zufall” genau diesen mit dem Freien Willen gerade in anderer Weise in Verbindung.

    Ich bin noch nicht 100%ig überzeugt davon, dass das Laserbeispiel kein reiner Zufall ist. Mal unseren Physikprof fragen ^^

  3. Naeth

    Naeth sagt:


    14. Apr 2008 um 13:12 Uhr

    Ich glaube der Heisenbergschen Unschärferelation in dem Sinne, dass sie den Determinismus als falsch überführt. Auf Quantenebene gibt es “echten” Zufall.

    Das zumindest ist eine weit verbreitete (und allgemein anerkannte) Theorie. Ist sie wahr, dann ist ein Laplacescher Dämon selbst als Gedankenexperiment unmöglich, unabhängig von der Unmöglichkeit des totalen Wissens sowie der Existenz solch gewaltiger Rechenleistung.
    Es gibt auch die Gegentheorie, aber ich hab’ zu wenig Ahnung von Physik, um deren Interpretationsunterschiede der Quantenmechanik zu verstehen oder gar zu erklären. Trifft diese zu, ist Determinismus möglich. Dann würde Gott nicht würfeln und wir hätten keinen freien Willen.

    Mein persönliches Fazit: mir ist das egal, ob ich einen “freien” Willen habe oder nicht. Solange ich glaube ihn zu haben, habe ich ihn offenbar. Glaube ich. Nur die Rechtsphilosophen könnten enorme Probleme bekommen, falls der Determinismus mal überzeugend “bewiesen” wird.

  4. Ganayan

    Ganayan sagt:


    14. Apr 2008 um 13:19 Uhr

    Die juristische Auslegung ist sehr interessant anzudenken ;)

    Den Herrn Heisenberg habe ich ja ganz vergessen! Der erklärt, dass Impuls und Position eines Teilchens niemals gleichzeitig bestimmt werden können, ohne dass die Messung das Ergebnis verfälscht. Eigentlich erklärt er sogar, dass jegliche Messung Einfluss aufs Ergebnis nimmt.

    Das tötet natürlich ein paar Grundlagen meines Gedankenexperimentes – aber die restlichen fehlenden Grundlagen wie die fehlende Rechenkapazität, Speicherkapazität und Zeit (Zeit, all das auszuwerten und dann noch Zeit zu haben, Nutzen daraus zu ziehen) verbannen all das ja hundertmal ins Land der Theorie – aber woanders wollte ich all das ja gar nicht haben.

    Meinst du mit “Auf Quantenebene gibt es echten Zufall” dass du die Bewegung von z.B. Strings als zufällig ansiehst; der Zufall auf Quantenebene aber berechenbar wird, wenn du berechnen kannst, wie diese sich bewegen?

  5. Kay

    Kay sagt:


    14. Apr 2008 um 13:19 Uhr

    Hmm, habs gerade gelesen. Kein Plan. Ich glaub einfach nicht an den Zufall. Schon gar nicht in der Physik. Dass in der Quantenphysik Phänomene nicht eklärbar oder vorhersagbar sind, ist meines Erachtens auch nur wieder fehlendes Wissen über alle Parameter. Und da ich nicht an eine Existenz glaube, die irgendwie losgelöst vom rein physischen ist (also auch kein Leben nach dem Tod oder so ein Kram) kann ich mir auch nicht vorstellen, dass der “freie Wille” bei gleichen Erfahrungen und gleichen Einflüssen unterschiedlich reagieren kann. Man kann es nicht nachprüfen, weil diese Situationen letztlich rein theoretisch sind.

  6. Naeth

    Naeth sagt:


    14. Apr 2008 um 13:33 Uhr

    Die Quantenmechanik ist nicht deterministisch fassbar. Zumindest nach der häufigsten Interpretation. Daher der “echte” Zufall. Ich zitiere mal wikipedia (hei, welch schlechter Stil):

    “Quantum mechanics provides probabilistic results because the physical universe is itself probabilistic rather than deterministic.”

    Auch das ist Teil der Interpretation von Niels Bohr. Ich kann aber mit meinem mangelnden Physikhintergrund nicht wirklich beurteilen, ob das Hand und Fuß hat. Mit Niels Bohr leg’ ich mich nicht an. Vielleicht kommt aber bald der nächste Einstein und zeigt uns, dass das alles Quatsch ist…

    …jedenfalls wäre die juristische Konsequenz lustig auszudenken. “Ich bin unschuldig, Hohes Gericht, der Diebstahl war vorbestimmt, ich konnte nichts dagegen tun!” Die korrekte Antwort ist vermutlich “Dann ist auch ihre Inhaftierung vorbestimmt.”, oder?

  7. Ganayan

    Ganayan sagt:


    14. Apr 2008 um 14:09 Uhr

    Vorbestimmt aber nicht im Sinne unseres Rechtsverständnisses.

    Oh wie schwach und hilflos wir doch sind, wie wir meinen einen Bruchteil eines Bruchteils unserer Umgebung gesehen zu haben und große universale Regeln darüber aufstellen, die in sich gar nicht konsitent sind ^^

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